Kann ich als Unternehmer WhatsApp nutzen

 

WhatsApp für Unternehmer

In meinem Bekanntenkreis und natürlich auch bei unseren Kunden gibt es viele Handwerker. Da sind auch einige größter Betriebe mit dabei, die 40 und mehr Mitarbeiter beschäftigen. Fast alle nutzen für die Absprache von Terminen oder auch für eine schnelle Bestellung WhatsApp. Mitarbeiter senden häufig Bilder von der Baustelle, um sich mit dem Meister oder dem Chef zu beraten, wie sie weiter verfahren sollen. In der Regel holt keiner dafür eine schriftliche Einverständniserklärung vom Kunden ein. Und schon sind wir mitten im Thema. Denn wir alle, Unternehmer oder nicht, bewegen uns bei der Nutzung von WhatsApp auf rechtlich sehr dünnem Eis.

 

Das liegt daran, dass sich WhatsApp bereits bei der Installation den Zugriff auf die Kontaktdaten sichert und von dort die Telefonnummern aller Kontakte auf ihren Server nach Amerika überträgt. Ganz egal, ob unsere Kontakte WhatsApp benutzen oder nicht. Durch unsere Zustimmung der Nutzungsbedingungen von WhatsApp sichern wir dem Unternehmen zu, dass wir autorisiert sind, unsere gespeicherten Telefonnummern zur Verfügung zu stellen. Selbstverständlich erklären wir uns in den Nutzungsbedingungen direkt damit einverstanden, dass die Daten auch an Dritte weitergegeben werden können. Wer auch nur ein wenig Ahnung von der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) hat – und darüber berichteten in den letzten Monaten fast alle Medien sehr ausführlich – wird ahnen, dass da was gehörig schief läuft. Alle WhatsApp-Nutzer verletzen durch die automatische Weitergabe aller Kontaktdaten des eigenen Adressbuchs an WhatsApp geltendes Recht. Wenn Ihr natürlich von allen euren Kontakten eine schriftliche Einverständniserklärung habt, dass diese darüber Bescheid wissen, seid Ihr ziemlich gut aufgestellt.

 

Was sollte ich als Unternehmer unternehmen?

Derzeit kann ich jedem Unternehmer – und dazu gehören auch Selbständige und Freelancer, die Kundenkontakte auf ihrem Smartphone speichern – dringend raten, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Durch die Nutzung von WhatsApp kann im Grunde jeder schnell feststellen, ob ein Unternehmer sich Datenschutzkonform verhält oder nicht. Es besteht dann die Gefahr einer Abmahnung oder sogar einer Anzeige bei der zuständigen Datenschutzbehörde. Die angedrohten Strafen werden die Behörden am Anfang eher nicht aussprechen. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass die Datenschutzbehörde bei dem angezeigten Unternehmer sehr genau hinschaut und den gesamten Datenschutz überprüft. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass die gleiche Problematik auch für das seit Anfang 2018 verfügbare WhatsApp Business zutrifft. Auch hier werden mal eben alle Kontakte an Facebook (zu dem WhatsApp bekanntlich gehört) weitergeleitet.

 

Welche Möglichkeiten habt Ihr nun?

Benutzt Ihr nur ein Smartphone für private und geschäftliche Kommunikation, dann solltet Ihr WhatsApp löschen. Sinnvoll ist auf jeden Fall, nicht nur WhatsApp auf dem Smartphone zu deinstallieren, sondern den gesamten WhatsApp-Account zu löschen. Die Alternative ist, ein zweites Smartphone nur für die geschäftlichen Kontakte zu nutzen und sich dort von jedem Kontakt eine schriftliche Einverständniserklärung einzuholen. Alle Besitzer eines IPhones können in den generellen Einstellungen unter Datenschutz den Zugriff von WhatsApp auf die Kontakte unterbinden. Wer das aber erst jetzt entsprechend einstellt, verhindert aber nur, dass die Daten neuer Kontakte an WhatsApp weitergegeben werden. Bei Android müsst Ihr dafür auf die Hilfe einer zusätzlichen APP zurückgreifen.

Eine gute Erklärung, wie das funktioniert, findet Ihr auf der Website von Chip.

Allerdings gibt es danach einige Einschränkungen in der Nutzung. So wird im Chat nur noch die Telefonnummer angezeigt und nicht mehr die gespeicherten Namen.

Wenn Ihr euch für diesen Schritt entscheidet, ist es mit Sicherheit sinnvoll, die Backups zu deaktivieren. Diese werden regelmäßig in der Cloud gespeichert. Der Vorteil ist, dass bei einem neuen Handy die alten Chats wieder geladen werden können. Der Nachteil ist, dass so eine weitere Möglichkeit für Überwachung und Verstoß gegen den Datenschutz gegeben ist. Allerdings solltet Ihr dann auch eure Gesprächspartner bitten, dass sie ihre Backups ebenfalls deaktivieren.

 

Alternativen

Als Unternehmer könnt ihr statt WhatsApp andere Messenger Dienste verwenden. Es gibt Dienste, deren Server in Europa stehen und die komplett datenschutzkonform handeln. Dabei sind sie in der Nutzung ähnlich schnell und unkompliziert. Zu den besten und mittlerweile bekanntesten zählen Threema (die App ist allerdings kostenpflichtig), Signal, Hoccer oder Wire.

In diesem Ratgeber auf der Website von Utopia werden sichere Messenger vorgestellt.

Manche Kunden werdet Ihr davon überzeugen können, ebenfalls eine der der Alternativen zu nutzen, um so leichter mit euch in Kontakt zu bleiben.

 

Wie Ihr eure Unternehmenswebsite sicher gegen Abmahnungen macht, könnt Ihr in diesem Ratgeberartikel lesen.

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